Der Roth IRA ist in den USA eines der beliebtesten Konten für die private Altersvorsorge: Sie zahlen aus bereits versteuertem Geld ein, und im Alter sind die Auszahlungen steuerfrei. Viele Anleger in Deutschland wünschen sich ein ähnliches Konto. Einen Roth IRA gibt es in Deutschland nicht, aber ab dem 1. Januar 2027 startet mit dem Altersvorsorgedepot ein neues staatlich gefördertes Depot für ETF und Fonds. In diesem Artikel erklären wir, wie der Roth IRA funktioniert, was das Altersvorsorgedepot bietet und wo die Unterschiede liegen.
Was ist ein Roth IRA?
Ein Roth IRA (Individual Retirement Account) ist ein privates Altersvorsorgekonto in den USA. Die Beiträge sind nicht steuerlich absetzbar, dafür wachsen die Erträge steuerfrei, und Auszahlungen ab 59,5 Jahren sind steuerfrei, wenn das Konto mindestens fünf Jahre besteht. Im Konto können Sie frei in Aktien, ETF und Fonds investieren.
Für 2026 liegt der Höchstbeitrag bei 7.500 US-Dollar pro Jahr, ab 50 Jahren bei 8.600 US-Dollar. Direkt einzahlen dürfen nur Personen unter bestimmten Einkommensgrenzen: Bei Alleinstehenden sinkt der erlaubte Beitrag ab einem modifizierten Einkommen von 153.000 US-Dollar und entfällt ab 168.000 US-Dollar, bei gemeinsam veranlagten Ehepaaren zwischen 242.000 und 252.000 US-Dollar.
Quelle: IRS-Anpassungen für 2026, berichtet im Journal of Accountancy.
Gibt es einen Roth IRA in Deutschland?
Nein. Einen Roth IRA können nur Personen eröffnen, die in den USA steuerpflichtig sind. Ein Konto mit dem Roth-Prinzip (heute versteuern, später steuerfrei entnehmen) gibt es in Deutschland nicht. Die geförderte Altersvorsorge in Deutschland funktioniert meist umgekehrt: Die Beiträge werden gefördert oder sind absetzbar, die Auszahlungen im Alter werden versteuert. Das entspricht eher dem traditionellen IRA oder dem 401(k) in den USA.
Das Altersvorsorgedepot ab 2027
Mit dem Altersvorsorgereformgesetz führt Deutschland ab dem 1. Januar 2027 das Altersvorsorgedepot ein. Der Bundestag hat das Gesetz am 27. März 2026 beschlossen, der Bundesrat hat am 8. Mai 2026 zugestimmt. Das Altersvorsorgedepot ersetzt die Riester-Rente als staatlich geförderte private Altersvorsorge.
Anlage: Sie investieren in ETF, Fonds und andere für Kleinanleger geeignete Anlagen, ohne verpflichtende Kapitalgarantie. Daneben gibt es auch Produkte mit Garantie.
Grundzulage: Der Staat gibt 50% auf Ihre Beiträge bis 360€ pro Jahr und 25% auf Beiträge zwischen 360€ und 1.800€. Die maximale Grundzulage beträgt damit 540€ pro Jahr.
Kinderzulage: Für Sparer mit Kindern gibt es eine Kinderzulage von 100% auf einen Eigenbeitrag von bis zu 300€ pro Jahr.
Kosten: Für das Standarddepot sind die Effektivkosten auf 1% pro Jahr begrenzt. Zusätzlich soll es ein Standarddepot eines öffentlichen Trägers geben.
Förderberechtigte: Neben Arbeitnehmern und Beamten sind erstmals auch Selbstständige förderberechtigt, ebenso Angestellte in berufsständischen Versorgungswerken.
Besteuerung: Wie bei Riester können Sie die Beiträge als Sonderausgaben geltend machen, die Auszahlungen im Alter werden versteuert.
Quelle: Deutscher Bundestag, Beschluss vom 27. März 2026.
Roth IRA und Altersvorsorgedepot im Vergleich
| Roth IRA (USA) | Altersvorsorgedepot | |
|---|---|---|
| Förderung | Keine Zulage | Bis 540€ pro Jahr plus Kinderzulage |
| Einzahlung | Aus versteuertem Geld | Als Sonderausgabe absetzbar |
| Auszahlung | Steuerfrei | Wird versteuert |
| Anlage | Frei (Aktien, ETF, Fonds) | ETF, Fonds und weitere Anlagen |
| Start | Seit 1998 | Ab 1. Januar 2027 |
Für Geringverdiener und Familien ist das Altersvorsorgedepot wegen der hohen Zulagen besonders attraktiv: Wer 360€ im Jahr einzahlt, erhält 180€ Grundzulage dazu. Für Gutverdiener ist der Unterschied zum Roth IRA vor allem die Besteuerung der Auszahlungen im Alter.
Was passiert mit Riester und Rürup?
Riester-Rente: Ab 2027 können keine neuen Riester-Verträge mehr abgeschlossen werden. Bestehende Verträge laufen weiter und können auf Antrag in ein Altersvorsorgedepot übertragen werden.
Rürup-Rente (Basisrente): Die Basisrente bleibt bestehen. Sie richtet sich vor allem an Selbstständige und Gutverdiener, weil die Beiträge in hohem Umfang steuerlich absetzbar sind. Die Auszahlung erfolgt als lebenslange Rente und wird versteuert.
Die Alternative ohne Förderung: ein normales ETF-Depot
Wer maximale Flexibilität möchte, kann auch ohne staatliche Förderung mit einem ETF-Sparplan vorsorgen. Sie zahlen Abgeltungsteuer auf die Erträge, können aber jederzeit über Ihr Geld verfügen. Kapitalerträge bis 1.000€ pro Jahr (2.000€ für Verheiratete) sind steuerfrei, und bei Aktien-ETF sind 30% der Erträge durch die Teilfreistellung steuerfrei. Mehr dazu in unserem Ratgeber zum ETF-Kauf für Anfänger.
Häufige Fragen
Kann ich als Deutscher einen Roth IRA eröffnen?
Nur wenn Sie in den USA steuerpflichtig sind und dort Erwerbseinkommen haben. Für Anleger mit Wohnsitz in Deutschland ist ein Roth IRA in der Regel nicht möglich.
Ab wann kann ich ein Altersvorsorgedepot eröffnen?
Anbieter dürfen die neuen Produkte ab dem 1. Januar 2027 anbieten. Banken, Neobroker, Fondsgesellschaften und Versicherer bereiten ihre Angebote derzeit vor.
Hinweis: Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und stellt keine Anlage- oder Steuerberatung dar. Einzelheiten zum Altersvorsorgedepot können bis zum Start noch durch Verordnungen konkretisiert werden.